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Compte rendu

Heenes Volker, Antike in Bildern – Illustrationen in antiquarischen Werken des 16. und 17. Jahrhunderts (Stendaler Winckelmann-Forschungen, 1), Ruhpolding, Winckelmann - Gesellschaft Stendal / Verlag Franz Philipp Rutzen, 2003, 1 vol. 21 × 27, 216 p., 158 fig. ds t.

Pages 129a à 154a

Citer cet article


  • Von Hesberg, H.
(2007). Heenes Volker, Antike in Bildern – Illustrationen in antiquarischen Werken des 16. und 17. Jahrhunderts (Stendaler Winckelmann-Forschungen, 1), Ruhpolding, Winckelmann - Gesellschaft Stendal / Verlag Franz Philipp Rutzen, 2003, 1 vol. 21 × 27, 216 p., 158 fig. ds t. Revue archéologique, 43(1), 129a-154a. https://doi.org/10.3917/arch.071.0129a.

  • Von Hesberg, Henner.
« Heenes Volker, Antike in Bildern – Illustrationen in antiquarischen Werken des 16. und 17. Jahrhunderts (Stendaler Winckelmann-Forschungen, 1), Ruhpolding, Winckelmann - Gesellschaft Stendal / Verlag Franz Philipp Rutzen, 2003, 1 vol. 21 × 27, 216 p., 158 fig. ds t. ». Revue archéologique, 2007/1 n° 43, 2007. p.129a-154a. CAIRN.INFO, shs.cairn.info/revue-archeologique-2007-1-page-129a?lang=fr.

  • VON HESBERG, Henner,
2007. Heenes Volker, Antike in Bildern – Illustrationen in antiquarischen Werken des 16. und 17. Jahrhunderts (Stendaler Winckelmann-Forschungen, 1), Ruhpolding, Winckelmann - Gesellschaft Stendal / Verlag Franz Philipp Rutzen, 2003, 1 vol. 21 × 27, 216 p., 158 fig. ds t. Revue archéologique, 2007/1 n° 43, p.129a-154a. DOI : 10.3917/arch.071.0129a. URL : https://shs.cairn.info/revue-archeologique-2007-1-page-129a?lang=fr.

https://doi.org/10.3917/arch.071.0129a


1 Wrede Henning, Die « Monumentalisierung der Antike » um 1700 (Stendaler Winckelmann-Forschungen, 3), Ruhpolding, Winckelmann - Gesellschaft Stendal / Verlag Franz Philipp Rutzen, s.d., 1 vol. 21 × 27, 58 p., 40 pl. h. t.

2 H. Wrede hat sich in den letzten Jahren intensiv wie kein anderer Wissenschaftler in der deutschsprachigen Altertumswissenschaft mit den Antiquaren des 16. und 17. Jhs. beschäftigt und unser Bild der Erforschung des Altertums in diesen Jahrhunderten vor J. J. Winckelmann in wesentlichen Aspekten bereichert und korrigiert. Die hier besprochenen Bände, einer eine bei ihm angefertigte Dissertation und der zweite von ihm selbst, geben einen guten Einblick in diese Arbeit und das damit verbundene Erkenntnisinteresse.

3 V. Heenes untersucht die Bedeutung der Illustration, die seit etwa der Mitte des 16. Jhs. die antiquarischen Werke, die zuvor weitgehend ohne Bilder auskamen, zu finden sind. Im Umgang mit der Gestaltung der Bilder wird ein grundlegender Wechsel deutlich, denn zuvor schöpften die Antiquare ihr Wissen vor allem aus den antiken Schriftquellen, die von jetzt ab um den Blick auf die Denkmäler in ihren vielfältigen Variationen bereichert wurden. Zugleich verliehen die Illustration den Schriften eine neue Art von Anschaulichkeit und damit eine neue didaktische Qualität.

4 Heenes gliedert seine Arbeit nach den Sachgebieten, in die seit dieser Zeit die Denkmälerkunde (die mit Spon in dieser Zeit zum ersten Mal die Bezeichnung Archaeologia erhielt) zunehmend untergliedert wurde. Er beginnt in den ersten beiden Kapiteln mit den Münzen und Gemmen, die einer Erschlieung durch Bilder wegen ihres Formats am ehesten zugänglich waren. Es folgen die Bilder, welche die topographischen Werke des antiken Roms begleiteten und ergänzten, und solche zu dem antiken Rom, die Eingang in antiquarische Untersuchungen fanden. Den Abschluss dieses eher deskriptiven Teils bilden das fünfte und sechste Kapitel zu den Statuen und Reliefs. Anschlieend werden in drei Durchgängen systematisch die Ziele der Antiquare mit den Bildern in Verbindung gesetzt und Aspekte der Entwicklung im Umgang mit den Werken der Antike im gewählten Zeitraum betrachtet.

5 Ein zentraler Schritt bildete die Kombination von Schriftquellen und Bild, um den Sinngehalt der Bilder zu erschlieen. Was uns heute als ein selbstverständlicher Vorgang erscheint, war in jener Zeit eine wissenschaftliche Revolution. Man muss sich dazu vor Augen halten, dass vom Mittelalter an bis in die Zeit des Barock hinein die Ratio, nach welcher der Gehalt der Bilder erforscht wurde, ganz anderen Gesetzen folgte und die Bilder eher als eine Projektionsfläche eigener Vorstellungen dienten. Die neue Methode einer kontrollierten Bildhermeneutik war am ersten bei Münzen zu erreichen, auf denen eine Verbindung von Bild und Text von vornherein gegeben war. In dieser Hinsicht war das Werk Guillaume du Chouls, Discours de la religion des anciens Romains (1556 erschienen) bahnbrechend, da der Autor über die Darstellungen auf Münzen auch andere Bilder erläutern konnte. Die Bedeutung der Münzen für den Erkenntnisfortschritt bei der Deutung von Bildern zeigt sich vor allem im Kontrast mit den Gemmen, die bei weitem nicht die Aufmerksamkeit erfuhren, da ihnen auch nicht der gleiche Erkenntniswert beigemessen wurde.

6 In der Erfassung Roms in seinen topographischen Eigenheiten hatte neben den Antiquaren auch ein Auenseiter, Leonardo Bufalini, Anteil, der zum ersten Mal einen exakt vermessenen Plan vorlegte, auf dem die antiken Reste verzeichnet wurden. Auch bei den Statuen fällt auf, wie der Erkenntnisfortschritt sehr wohl durch Künstler, die nach entsprechenden Vorlagen suchten oder Statuen ergänzen sollten, erreicht wurde, wie aber deren Erkenntnisse bei den Antiquaren nicht immer Resonanz fanden. Studien, mit denen systematisch Gruppen von Statuen motivisch sortiert und abgehandelt werden, fehlen. Aufschlussreich war auch die Situation bei den Reliefs, bei denen das Interesse an den Staatsreliefs überwog, während die mythologischen Reliefs, d.h. vor allem die Sarkophage, nicht Gegenstand systematischer Studien sind, da ihnen nach Meinung des Verfassers der Charakter paganer Religionsausübung allzu sehr anhaftete. Diese Qualitäten standen aber im Kontrast zu den Bestrebungen, die im Rahmen der Gegenreformation auf dem Tridentinischen Konzil festgelegt wurden.

7 Die Arbeit gibt allgemein einen guten Überblick zur sonst nur schwer überschaubaren antiquarischen Forschung in dieser Zeit und konzentriert den Blick auf einen zentralen Bestandteil dieser Publikationen. Dabei werden die unterschiedlichen Kategorien von Bildern und von Texten dargelegt und erläutert. In dieser komplexen Materie hätten allerdings Indices den praktischen Nutzen dieser Schrift entscheidend verbessert.

8 Ein gewisses Problem liegt bei einer solchen wissenschaftsgeschichtlichen Arbeit in der Konzentration auf die klassischen Altertumswissenschaften. Schon innerhalb der Erforschung der christlichen Denkmäler lassen sich andere Akzentuierungen feststellen. Die Texte und Bilder waren ja in ihrer Zeit nicht isoliert, sondern eingebunden in übergreifende wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse. An einigen Punkten wird ihre Bedeutung deutlich, etwa im Bereich der Ideologie der Herrscher und der Aristokratie, aber auch in Bezug auf die Intentionen der Kirche und der jeweiligen Staaten und schlielich der Antiquare selbst, die von sehr unterschiedlichen Bildungswegen geprägt waren. Die Bezüge konnten sich jeweils neu ergeben, von den Herrschergalerien bis hin zu den Allegorien der Maler und schlielich den didaktischen Bildern im akademischen Unterricht. Ähnlich spannungsreiche Konstellationen zwischen Text und Bild gab es aber auch in anderen Wissenschaften, etwa den Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Landeskunde und anderen Zweigen. Zukünftige Untersuchungen könnten dabei die Stellung der Altertumswissenschaften in diesem Prozess der Nutzung von Wort und Bild genauer bestimmen.

9 Der Sinn des Titels, den H. Wrede für seine Schrift gewählt hat, wird erst bei der Lektüre der Untersuchung verständlich und wird eigentlich an keiner Stelle wirklich definiert. Es handelt sich – kurz gesagt – zunächst um einen Wandel in den Medien. In den Jahrzehnten an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert lässt sich ein tief greifender Wandel in den Publikationen zur Antike beobachten, der einen komplexen Wandel im Kreis der Leser, im Verständnis der Objekte und im Entwurf des Altertums zu erkennen gibt. Dabei wird weniger die Antike monumentalisiert, sondern die Publikationen zur Antike gewinnen Formen, in denen sich der Umgang mit der Antike monumentalisiert.

10 Die Schrift gliedert sich zwar in drei Abschnitte, in denen aber der erst und letzte so etwas wie Einleitung und Ausblick bilden, und das Gewicht der Darlegung ganz auf dem mittleren liegt. Die Veränderungen in den Publikationen der Altertumsforscher sind zum einen im Text zu fassen. Sehr deutlich werden die neuen Tendenzen in den Corpora antiquitatum, die um 1700 Jakob Gronov und Johann Georg Graev vorlegten. Sie bilden keine Enzyklopädie im modernen Sinn mit einer Abfolge von Lemmata zu systematisch gegliederten Stichworten, sondern eine Kompilation früherer Schriften aus verschiedenen Bereichen Europas, die alle in Latein übersetzt wurden. Von dem Erfolg der Unternehmungen künden die vielen Nachdrucke aus der ersten Hälfte des 18. Jhs. Die 1719-1724 erschienene L’antiquité expliquée et représentée en figures des Bernard de Montfaucon allerdings erweitert dieses Konzept um eine strengere Konzentration und daneben die bis dahin unerhört reiche Bebilderung, und beschränkt sie zugleich in der Systematik, da sie sich auf die Bereiche konzentriert, die durch Bilder erfassbar waren. Dadurch fallen bestimmte Bereiche, etwa Rechts- und Staatswesen weitgehend aus.

11 Die Art des Vorgehens führte zu einer neuen Systematisierung der Wissenschaft, in der stärker die Bedeutung der Monumente betont wird. In den 1685 erschienenen Miscellanea eruditae antiquitatis des Jacques Spon wird eine möglichst konsequente Untergliederung der Archaeologia in die verschiedenen Gattungsbereiche vorgenommen. In der gleichen Zeit erweiterter sich der Blick und es werden etwa Etrurien, der Osten mit Griechenland und die Levante mit einbezogen.

12 Neben den Texten gewinnen vor allem die Bilder eine neue Qualität. Dieser Vorgang ist ablesbar an einer neuen medialen Strategie, die Bilder in ihrem Wert als Dokumentationen hervorzuheben. So werden die Zeichnungen mit ihren ausgefransten Rändern so wiedergegeben, dass sie selbst schon wie ein Monument wirken. Die Art der Gestaltung unterstreicht somit die Authentizität der Dokumentation. Andererseits werden die Monumente neu in Kontexte eingebunden und dabei geht häufig ihr ursprünglicher Zusammenhang verloren. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Bildern als Form der Dokumentation und als Medium einer bestimmten Qualität der Antike fehlt. Diese Ausblendung des Fragmentarischen oder des besonderen Bezugs zu einer Zeitstufe, das allen antiken Werken anhaftet, führt in der Tat zu einer eigentümlichen Präsentationsform, die man als « Monumentalisierung » bezeichnen könnte.

13 Als Gründe für diese Veränderungen im wissenschaftlichen Umgang mit der Antike sind vielfältig. Wrede führt den Mangel an Ausgrabungen und neuen Erkenntnissen an, der zu einer eher rückwärts orientierten Aufarbeitung des Erreichten neigt, ferner aber auch den Interessenhorizont des Bürgertums, das sich eines bestimmten Wissensstandes versichert. Gleichzeitig wurde in den « Querelles des anciens et modernes » die aufklärende Qualität der Antike in Frage gestellt, indem ihr das ästhetische Primat abgesprochen wurde. Es kam also eine Fülle ganz unterschiedlicher Gründe zusammen.

14 Beide Arbeiten vermitteln einen guten Einblick in einen Abschnitt der archäologisch orientierten Altertumswissenschaft zwischen Renaissance und Aufklärung, der in vieler Hinsicht zum Verständnis heutiger Positionen im Wissenschaftsbetrieb beitragen kann. Die Beschäftigung mit Wissenschaftsgeschichte erscheint auch heute noch manchem Fachwissenschaftler als problematisch, wenn nicht gar überflüssig. Dennoch ist in den beiden Arbeiten eindringlich erkennbar, wie sich grundsätzliche Probleme auch immer wieder neu stellen. So verfügen wir heute mit den elektronischen Medien zwar über ganz neuartige Möglichkeiten, Bilder auch von der Antike zu generieren. Mit ihnen verbinden sich aber zugleich Fragen, wie weit die Bilder geeignet sind, unseren Blick auf die Antike zu öffnen oder zu verstellen, wie weit ihnen also über die Sinnebene der Antike hinaus eine aufklärerische Qualität zukommt.

15 Gleiches gilt für die Text. Die groen Enzyklopädien aus den Niederlanden versuchten, übrigens auch mit Hilfe umfangreicher Indices, eine Übersicht über möglichst viele Texte ihrer Vorgängen zu schaffen, ein Vorhaben, dass eine Grundlage des Wissenschaftsbetriebes der Neuzeit bildet, der wiederum durch die elektronischen Medien und das World Wide Web neue Qualitäten gewonnen hat und bisher nicht gekannte Textmengen zur Verfügung stellt. Wir müssen uns heute denselben Problemen stellen, wie wir mit der Vergangenheit unserer Wissenschaften umgehen wollen, vor allem mit dem groen Vorrat an Texten und Bildern, die aus diesem Fundus zur Verfügung gestellt wurden.

16 Henner von Hesberg,

17 Deutsches archäologisches Institut,
Via Sardegna, 79,
 I-00187 Roma.


Date de mise en ligne : 01/12/2007

https://doi.org/10.3917/arch.071.0129a